Details zur Klageschrift

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Jetzt, da endlich der Rechtsstreit zwischen New Line und Peter Jackson beigelegt wurde und inoffiziell ein Regisseur für den HOBBIT gefunden ist, hat es sich niemand erträumen lassen, dass sich die Reihe mit einer neuen Klage gegen New Line fortsetzt.

The Frodo Franchise lieferte kürzlich eine wunderbare Zusammenfassung der Entstehung und eine genauere Beschreibung des Gerichtsfalles um New Line Cinema.

Am 11. Februar 2008 hat der Tolkien Trust, die Nachlassverwalter J.R.R. Tolkiens, zusammen mit dessen langjährigen Verleger HarperCollins, Klage beim Kammergericht Los Angeles eingereicht. Die Klage richtet sich gegen New Line Cinema und verlautet, dass der Produktionskonzern Zahlungen aus den Einnahmen an die Nachlassverwalter des Autors nicht getätigt habe.

Die Mehrzahl der Onlineberichterstattungen stützen sich auf Berichte aus Pressekonferenzen und Presseberichteten des Tolkien Trustes, in denen Steven Maier, der britische Anwalt des Trusts, und Bonnie Eskenazi, der amerikanische Rechtsbeistand, der die Klage eingereicht hat, zitiert werden.

frodnlcDie Grundlagen

Die Klage besagt, dass New Line vertraglich gebunden war, einen Anteil von 7,5% der weltweiten Einnahmen von knapp $6 Milliarden zu zahlen, dies aber nicht getan hat. Als Folge daraus verlangt der Trust $150 Millionen Schadensersatz, ein nicht näher erläutertes Bußgeld, und die Rechte für Filmproduktionsrechte für den HOBBIT.

Eskenazi sagte: "New Line habe dem Begriff 'kreativer Buchhaltung' eine neue Bedeutung gegeben. Ich kann mir nicht vorstellen, wie um Himmels Willen New Line den Geschworenen erklären will, dass sie buchstäblich Milliarden von Dollar eingenommen haben, den Erben des Schöpfers, der einem Anspruch auf einen Teil der Einnahmen besitzt, aber nicht einen Penny bezahlten."

Maier sagte: "[…] Bis heute hat es New Line den Klägern verweigert, eigene Rechnungsprüfungen für die beiden letzten Teile der Trilogie durchzuführen. Die Sachverwalter sind sehr betrübt über die Arroganz New Line Cinemas.

Wenn sie über diesen Fall Bericht erstatten, scheinen die Reporter jedoch einige Fachbegriffe zu verwechseln. Maier behauptet, dass dem Trust ein Prozentanteil der Bruttoeinnahmen geschuldet wird. Bruttoeinnahmen sind die Gesamtbeträge, die an eine Firma gegen Lieferung ihrer Endprodukte zurück kommen. Diverse Unkosten werden nun abgezogen, und was zurück bleibt, ist der Profit des Unternehmens. Einige Berichte sprechen vom Rohgewinn, aber nach Maier ist dies nicht die Grundlage der Anteilbestrebung des Trusts.

Abgesehen davon, dass der Trust einen Wert von $6 Milliarden nennt, ist dies offenbar nicht der Wert, von dem die 7,5% ausgehen (das würden $450 Millionen machen). Kinos, die die Filme zeigen und Läden, die die DVD verkaufen, behalten in der Regel auch einen Anteil ein. Da die RINGE-Trilogie zu großem Teil aus den Vorverkäufen aus den weltweiten Vertriebsrechten finanziert wurde, haben die Vertreiber auch einen beträchtlichen Teil des Anteils einbehalten.

christopherNoch mehr Infos

Der Bericht der Internetplattform Yahoo, verfasst von Josh Grossberg, meldet, dass in der Anklageschrift neben der vertraglichen Schuld von 7,5% weitere $63.500 erwähnt werden, die der Trust als Vorauszahlung erhalten habe. Wie dieser Fakt nun anhand der "New Line bezahlte nicht einen Penny"-Behauptung zu messen ist, bleibt unklar. Nirgendwo anders wird dieser Wert zusätzlich genannt.

Edvard Petterssons Bericht auf Bloomberg.com wurde aktualisiert, um den Namen und die Fallnummer der Anklage zu präzisieren: "Christopher Reuel Tolkien v. New Line Cinema Corp., BC385294." Laut Pettersson wurde vermutlich Christopher Tolkien, einer der Söhne des Autors, genannt, da er und drei weiter Mitglieder seiner Familie die Sachverwalter des Tolkien Trusts sind.

Dazu gibt Pettersson einige weitere Details über die Anschuldigungen der Klageschrift. Die erwähnten $6 Milliarden beinhalten nicht nur die Kinoeinnahmen (welche etwas unter $3 Milliarden liegen), sondern auch $3 Milliarden aus DVD-Verkäufen, Fernsehen und 'zusätzlichen' Einnahmen. New Line würde Vertragsbruch und Betrug vorgeworfen.

Nach Variety stammt der 7,5%-Anteil aus der Adaptionsvereinbarung zwischen United Artist und Allen&Unwin (durch Fusion später HarperCollins) von 1969. Die Adaptionsrechte wechselten letztendlich zu Saul Zaentz, dann zu Miramax, und schließlich zu New Line. Variety berichtet außerdem, dass "Die Anklage eine Reihe von Streitpunkten aufzählt: Die Untererfassung der Einnahmen durch Heimkinomedien; eine Zahlung von $100 Millionen an Miramax, die als Produktionskosten abgerechnet wurden; Zerstörung von Dokumenten; und die Verweigerung jeglicher Rechnungsprüfung durch Dritte an den Bilanzen des zweiten und dritten Filmes der Trilogie.

Absichtliche Täuschung oder Meinungsverschiedenheit

Einige Berichte stellen klar heraus, dass Peter Jackson und Zaentz New Line erfolgreich auf ihren Anteil an den RINGE-Einnahmen verklagt haben.

So, wie es aussieht, fanden die Klagen nicht parallel zueinander statt. New Line zahlte eine beträchtliche Summe an Jackson und Zaentz, und sogar an Disney und Harvey und Bob Weinstein. Es wurde jedoch nicht die gesamte Schuld gezahlt, aber, wie Klageanschriften beweisen, ein Teil davon. Tolkiens Erben haben jedoch nichts oder nur eine milde Gabe erhalten. Woher kommt diese Abweichung?

Eine Möglichkeit könnte sein, dass New Line sich nicht verpflichtet fühlt, obwohl sie vertraglich gebunden sind, zu zahlen. Das ursprüngliche Abkommen, das Tolkien 1969 befürwortete, war ein bekanntermaßen problematisches Dokument. Tolkiens Lektor bei Allen&Unwin, Rayner Unwin, schrieb in seinen Memoiren: "Eine Verhandlung mit einer Dauer von fast zwei Jahren [1967-69] wurde letztendlich in einem fünfzig-seitigen Vertrag beendet. Die daraus folgenden Kompliziertheiten und Ungewissheiten haben das Vermögen der Verleger und Autoren seither verfolgt." Diese Denkschriften wurden 1999 veröffentlicht. Ironischer Weise war Jackson's Trilogie in diesem Jahr in der Vorproduktion und anfänglich in der Hauptdrehzeit. Wohlmöglich unterliegt auch die derzeitige Debatte diesen 'Kompliziertheiten und Ungewissheiten'.

Andererseits, wenn New Line der Meinung ist, dass das Tolkien Estate kein Anrecht auf die Einkommen durch den Film hat, so besteht laut dem Autor auch keine Notwendigkeit, die endgültigen finanziellen Unterlagen zu THE FELLOWSHIP OF THE RING zugänglich zu machen.

Die Verwechslung von Bruttoeinnahmen und Bruttoverdiensten mag daher rühren, das New Line glaubt, die 7,5% kämen nicht von den Bruttoeinnahmen, sondern von den Bruttoverdiensten, dessen Betrag wesentlich kleiner sein ist. Zaentz und Miramax (Disney und die Weinstein-Brüder) und wie gemeldet Peter Jackson, erhielten einen Prozentsatz der Bruttoeinnahmen. Dazu kommt, dass Filmkonzerne bekanntermaßen darin geübt sind, Wege zu finden, die öffentliche Bekanntgabe von Filmgewinnen zu unterbinden, um die Auszahlung von Anteilen zu umgehen.

Mit ein wenig Glück werden bald mehr Informationen über die wahre Natur des Falles und die Ansprüche beider Seiten veröffentlicht.

Die Einnahmen des Tolkien Trusts unter der Lupe

Auf der Seite der Charity Commission der UK sieht man einen Auszug aus den finanziellen Jahresabschlussberichten des Tolkien Trusts. Erkennbar ist, dass in der Erfolgszeit der Filmtrilogie der Tolkien Trust ein enormes Finanzwachstum prägte. Hatten sie im Jahr 2000 ein Bruttoeinkommen von nur £212.029, so waren es im Jahr 2003, zur Veröffentlichung des dritten Teils der Trilogie, schon £5.494.330. Das entspricht einem sensationellen Wachstum von knapp 2.600%. Insgesamt wurden in dem selben Jahr £3.387.376 nur durch Lizenzgebühren eingenommen. Dass dort die Zahlung von New Line nicht enthalten sind, lässt sich an Hand der Aufschlüsselung der Charity Commission leicht ausmachen.

Bedenklich für Fans ist dieser Fall aber ohnehin, zumindest auf kurze Sicht. Auch wenn der Tolkien Trust die Rechte für die Verfilmung des HOBBITS von New Line nicht zurück bekommt, so kommt diese Klage grade in einem Moment, da TimeWarner erwägt, New Line einem Stellenabbau zu unterziehen. Diese Tatsache stellt das Projekt somit auf einen wackelden Grundstein und wird wohl höchst wahrscheinlich einen weiteren Aufschub des Projektes bedeuten.
Melilot - 16. Feb, 23:23

Ich hoffe sehr, nicht mal der Tolkien Trust bildet sich ein, daß man ein von einem anderen Menschen - dem Autor - rechtsgültig verkauftes Verfilmungsrecht zur "Bestrafung" eines Prozeßgegners mal eben zurückverlangen kann. Da äußert sich meiner Meinung nach die Einstellung einer ganz bestimmten Partei zu Tolkien-Verfilmungen generell.

Davon abgesehen - wenn dieser neue Rechtsstreit wieder einen Aufschub der Verfilmung bedeutet, was leider ziemlich wahrscheinlich sein dürfte - werden dann die Filmrechte nicht an Saul Zaentz zurückfallen, der sie nach eigener Aussage furchtbar gern nutzen würde?

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